Dies ist die Originalseite des Entdeckers und Entwicklers der Quantum Logic Medicine
Prof. Dr. med. Walter Köster

Hahnemann und C. G. Jung – ein Denkmodell aus Homöopathie und Psychologie

Prof. Dr. med. Walter Köster

49. Internationaler Kongress der Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis
New Delhi, Indien 1995

Lieber Herr Vorsitzender Dr. Chand, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich danke sehr für die Einladung ebenso wie die Möglichkeit, gleich zu Beginn des Kongresses meine Gedanken so ausführlich präsentieren zu dürfen.

Die chemische Medizin arbeitet nach einem klaren Prinzip, einen Patienten gesund zu erhalten. Sie versucht, Aggressoren wie zum Beispiel Bakterien, die den Patienten angreifen, zu zerstören. Leider zeigt sich bei der Anwendung dieser Methode ein ungelöstes Problem. Es kommt zum Auftritt chronischer und damit nicht wirklich geheilter Krankheiten (1). Eine chronische Krankheit zeigt sich, wenn die Aggressoren immer und immer wieder zurückkehren, obwohl sie bereits erfolgreich abgewehrt wurden. Das bedeutet, dass der Patient tatsächlich nicht bleibend gesund wird.

In Anbetracht dieses Umstandes scheint es plausibler, die Ursache der Krankheit nicht primär bei den Aggressoren zu suchen. Vielmehr scheint etwas beim Patienten selbst die Aggressoren immer wieder anzulocken oder gar zu fördern. Vorstellbar wäre beispielsweise ein Defekt, der die Infektion durch die Aggressoren dadurch verursachte, dass er ihnen die Türen öffnete und sie damit quasi einladen würde. Dann wäre die Infektion nur die Folge des Defekts des Patienten. Gehen wir einmal von dieser Annahme aus, bedürfte es, wenn wir wirklich heilen wollen, einer Medizin, die am Defekt des Patienten wirkt und nicht nur immer und immer wieder die Aggressoren vernichtet, die ihn wegen dieses Defektes angreifen und infizieren. Das tut die Homöopathie, und aus dieser Sicht heraus wäre die Homöopathie ursächlicher wirksam als die chemische Medizin.

Dann wäre es wichtig, zu wissen, an welchem Defekt genau die Homöopathie wirkt. Können wir ihn noch näher definieren? Hahnemann beschrieb eine “Verstimmung” der immateriellen Dynamis (2), die wir homöopathisch behandeln. Aber was und wo bitte mag dieser virtuelle Grund der Krankheit genau sein? Wenn wir das Vorgehen der Homöopathie vom ersten Schritt an verfolgen, sollten wir den Defekt entziffern können, auf den ihr Tun hin zielt.

Der erste Schritt der homöopathischen Behandlung ist die Fallaufnahme. Sie ist durch einen großen Unterschied zum chemischen Vorgehen gekennzeichnet. Im Gegensatz zu einem homöopathischen schreibt ein chemischer Arzt nämlich keineswegs alles akkurat in genau den Ausdrücken auf, die der Patient verwendet hat (3). Nur eine einzige westliche medizinische Behandlungsmethode schlägt den gleichen, wörtlich genauen Behandlungsweg ein, und das ist die Psychologie (4).

Wenn Homöopathie wie Psychologie die Beschreibung des Patienten derart wörtlich berücksichtigen, finden beide heraus, dass er sehr oft bildhafte Beschreibungen verwendet, als wolle er seine Beschwerde malend und ausformend darstellen. Warum das? Und warum sollte man so etwas aufschreiben? In der chemischen Medizin werden solche Bilder regelmäßig übergangen oder zusammengefasst zu einem einzigen, allgemeinen Begriff. Dann wird aus dem “Schmerz, der wie ein schwerer Stein auf der Brust immer um 3 Uhr nachts drückt” eine einfache “Angina pectoris”. Tatsächlich verlieren wir aber mit diesem chemischen Vorgehen die Fülle exakter Information, die solche Bilder geben. Ist das wesentlich? Warum benötigt die Homöopathie die gesamte Information solcher Bilder, und wofür die Psychologie? Was steckt für eine Information in solchen Bildern?

Psychologen wie Carl Gustav Jung haben herausgefunden, dass das Unbewusste dann Bilder produziert, wenn „das Bewusstsein in Not kommt” (5). Diese Bilder weisen auf einen Konflikt oder eine “Dissoziation” (6) zwischen Bewusstsein und Unbewusstem hin, aus dem sie hervorgehen. Ein Teil vom anderen getrennt oder dissoziiert. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Bewusstsein bestimmte Informationen, die aus dem Unbewussten kommen, unterdrückt. Die Entstehung von Träumen stellen Psychologen sich auch auf diese Weise vor (7). Träume werden als Informationen angesehen, die aus unterdrückten, dissoziierten unbewussten Anteilen hervorgehen. Die Träume scheinen ähnlich einem Wachsabdruck das abzubilden, was vom Bewusstsein unterdrückt und abgetrennt ist. Auf diese Weise bilden Träume eine Informationsbrücke aus dem Unbewussten ins Bewusstsein, zwischen beiden. Sollten unsere homöopathischen Symptome, die oft genauso bildhaft dargestellt werden wie psychische Bilder oder Träume, auf die gleiche Weise zur Entstehung kommen?

Manches Detail unterstützt diese Vermutung. Da gibt es die bemerkenswerte Erkenntnis Hahnemanns, dass man “fast einzig die auffallenderen, eigenheitlichen, ungewöhnlichen und sonderlichen … Symptome ins Auge zu fassen habe” (8). Warum diese Forderung, was mag ein „ungewöhnliches“ Symptom bedeuten?

Als ungewöhnlich wird ein Symptom dem Patienten auffallen, wenn er es nicht so leicht wie seine anderen Symptome erklären kann. Dann wird es ihm „eigenheitlich und fremdartig“ erscheinen, wie Hahnemann schreibt (9). Was aber verursacht die Ungewöhnlichkeit des Symptoms und damit seine Unerklärlichkeit? Es wird genau dann nicht zu erklären sein, wenn es aus unterdrückten, dissoziierten unbewussten Teilen hervorgeht und diese widerspiegelt. Diese weggedrückten Informationen hat das Bewusstsein dann nicht zur Hand, und dementsprechend wird das Symptom dem Bewusstsein sonderlich erscheinen. Das Bewusstsein findet keine Erklärung, weil die zugehörige Information von ihm abgetrennt ist und verdrängt ins Unbewusste, aus dem das Symptom hervorgeht. Folglich muss das Symptom fremdartig und sonderlich erscheinen, weil es aus einer Information hervorgeht, die fern vom Bewusstsein gehalten wird.

Nichtsdestoweniger sind Unterdrückungen unbewusster Inhalte nichts Ungewöhnliches. Sie sind sogar notwendig, weil der Mensch sich nicht auf eine Sache konzentrieren kann und sein Denken dafür frei bekommen kann, wenn er nicht andere Informationen unterdrückt. Wann aber überschreitet diese Unterdrückung ins Unbewusste die Grenze und wird pathologisch, indem sie zum Beispiel Alpträume hervorruft oder sonderliche Symptome? C. G. Jung fand heraus, dass Unbewusstes dynamisch ist (10). Das Problem besteht offenkundig nicht in der Unterdrückung selbst, sondern in deren Dauer und Fixierung. Alle Untersuchungen unterstützen die Annahme, dass Unbewusstes eine starke Tendenz dahin hat, Fixierungen abzuwehren, geradeso wie Leben Rigidität nicht gut erträgt (11). Das würde bedeuten, dass die „sonderlichen Symptome“ Hahnemanns dann entstehen, wenn Teile der Psyche dauerhaft vom Bewusstsein abgetrennt sind mit der Folge eines Informationsmangels oder Defekts des Bewusstseins. Dieser Zustand entspräche Hahnemanns Verstimmung der Dynamis.

Wenn diese Annahme, dieses Denkmodell der Wirklichkeit nahe kommt, taucht die Frage auf, wie es die Wirkung homöopathischer Arzneien erklären könnte. Dafür sollten wir uns erinnern, dass das Unbewusste nicht nur Bilder produziert, sondern auch auf solche reagiert. Wenn wir also gezielt den fixiert unterdrückten, unbewussten Anteil beeinflussen wollen, brauchen wir etwas wie ein Bild von ihm, ein diesem Anteil ähnliches Bild. Da sich dieser unbewusste Anteil im sonderlichen Symptom widerspiegelt, wäre es diesem ebenso ähnlich. Genau das ist es, was Hahnemann herausfand, als er das Bild exakt jener Vergiftung wählte, das dem Bild der sonderlichen Symptome am ähnlichsten war. Es entsprach exakt dem Bild des Symptoms ebenso wie dessen unbewusster Ursache. Es wirkte wie ein weltweit gültiger, nicht austauschbarer Ausdruck. Überall wird man mit dem Begriff dieser Vergiftung nur diese Symptome verbinden.

Carl Gustav Jung beobachtete, dass derart exakt gewählte Bilder, die er “Symbole” nannte (12), einen enormen Effekt auf das Unbewusste wie auf seine Beziehung zum Bewusstsein haben. Genau das haben wir gesucht. Wir haben ein exaktes Symbol der Information entwickelt, die wir als ursächlich für das Symptom des Patienten annehmen. Doch wir brauchen mehr. Wir wollen die Krankheit nicht nur allgemein beeinflussen. Wir suchen die Fähigkeit, die Krankheit in eine exakte Richtung zu lenken, das heißt, in die der Heilung. Deshalb sollten wir in unser Symbol noch die Information zu heilen einpflanzen können. Folgen wir unserem Theorem, brauchen wir dafür zwei weitere Informationsanteile zur Behebung der Informationsstörung:
Einerseits die Information, das ein Defekt, eine Dissoziation exakt jenes Anteils im Patienten vorliegt,
andererseits die Information des Impulses, die Fixierung dieses Defektes aufzuheben.

Wie könnte man die Information des Mangels exakt dieses unbewussten Anteils bewirken? Wir brauchen das Bild eines Mangels oder Defekts. De-fekt bedeutet auf Lateinisch “herausgenommen”. Um das nach C. G. Jung zu symbolisieren, müssten wir aus der Arznei exakt das Symbol herausnehmen, das die Information repräsentiert, die “defiziert” wird, das heißt, herausgenommen ist aus dem Bewusstsein und unterdrückt in unserem Patienten. Ein Bild dieses Faktors sind die sonderlichen Symptome, und die bildet das Arzneimittel oder Simile Samuel Hahnemanns ab. Also haben wir das Mittel aus der Arznei herauszunehmen! Und – tatsächlich – tun wir genau das: Wir vollziehen diesen Schritt, indem wir Verdünnungen produzieren. Wenden wir diese an, beobachten wir, dass wir eine höhere Potenz, das heißt mehr Effekt erzielen. Chemisch ist das nicht erklärbar. Beziehen wir aber unser Theorem mit ein, wird es verständlich. Mehr zu verdünnen, bedeutet, mehr herauszunehmen, und das symbolisiert den Defekt stärker oder höher und erzielt so mehr Symbolkraft. Tatsächlich produzieren wir eine “künstliche Krankheit” (13), wie Hahnemann es formulierte, einen künstlichen Defekt,

Schließlich fehlt uns noch die Information: Löse die fixierte Unterdrückung. Es liegt auf der Hand, dass die Ausführung der Schüttelschläge die Information beinhaltet: “Komm in Bewegung, löse die Fixierung.” Im täglichen Leben können wir viele Schüttelschläge beobachten, mit denen wir versuchen, “Fixierungen zu lösen”. Dabei lässt sich unschwer erkennen, welche Information der Schüttelschlag der Arznei mitgibt. Kein Wunder, dass Hahnemann von “Dynamisierung” (14) sprach als Gegenüber der Fixierung. Überraschend ist allerdings, dass er den gleichen Begriff wählte, den Jung dem Unbewussten zuschrieb (10). Jung lebte ein Jahrhundert nach Hahnemann und wusste nicht viel von ihm. Die trotz dieser Unabhängigkeit vorhandene extreme Ähnlichkeit der Theoreme beider unterstreicht deren Realitätsnähe.

Mit diesem letzten Schritt haben wir eine exakte symbolische Information zu heilen erhalten. Unser Theorem wird durch die tatsächlich sonst unverständliche Tatsache unterstützt, dass unsere extrem hohen Verdünnungen (“high dilutions”) tatsächlich heilen und nicht nur in unserer Vorstellung funktion-ieren. Sie rufen eine Änderung des Geistes und des Körpers hervor, indem sie offensichtlich den Defekt entfernen und dadurch eine neue Information für Geist wie Körper schaffen.

Wie konnte Samuel Hahnemann dieses exakte homöopathische System entwickeln, ohne dass er vom psychologischen Denken und dessen Gedankenmodellen wusste? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall ist es ein Beweis für sein geniales Verständnis und seinen Willen, Ideen in die Tat umzusetzen. Heute haben wir einige Theoreme, mit denen wir beschreiben können, was wir tun. Diese sind ein Anfang, ein kleiner Schritt auf einem langen Weg.

Quellen:
(1) Walter Köster, Hahnemann und C.G. Jung – ein Denkmodell der Homöopathie, Haug Verlag., Heidelberg
(2) Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, 16, Editorial Hochstetter LTDA, Santiago de Chile.
(3) Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, §. 84
(4) Sigmund Freud, z. B. “Zur Einleitung der Behandlung”, SS. 194 – 199, Freud Studienausgabe, Ergänzungsband, Fischer Verlag, Frankfurt.
(5) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 8, 18, 16. Ausg., 1989, Walter Verlag, Olten, Schweiz
(6) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 6, § 903
(7) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 8, § 580
(8)  Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, § 153
(9) Referat des Autors auf dem LIGA Kongress 1991, Köln
(10) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 8, Titel
(11) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 8, 1, §§ 131 – 140
(12) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol. 6, S. 515
(13) Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, §§ 6, 29, 34
(14) Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, § 269
(15) Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Vol 8, Titel

 

Beschwerden wie bei Vergiftung durch den Biss einer bestimmten Schlange
(Herr Halsnot bietet das Bild, als ob ihn eine Schlange gebissen hätte)
= 1 bildartiger Begriff: „Wie von einer bestimmten Schlange gebissen“

  • Dieses Bild C ähnelt nicht nur den Beschwerden B des Herrn Halsnot.
    B ≈ C
  • Die Beschwerden B sind auch ein Abbild des distanzierten Anteils A.
    B ≈ A
  • Daraus folgt: Das Bild C ähnelt auch diesem unbewussten Anteil A.
    A ≈ C
  • Über die Beschwerden B wurde also ein Abbild dessen gefunden, was aus dem distanzierten Unbewussten C die Beschwerden des Herrn Halsnot hervorruft.

Das fixierte, unbewegliche Distanzieren

Das zu lösende Problem ist das fixierte, unbewegliche Distanzieren dessen, für das das Schlangengift als Bild steht.

 

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„Galilei zeigte, dass man sich auf intuitive Schlüsse, die auf unmittelbarer Beobachtung beruhen, nicht immer verlassen kann, da sie manchmal auf die falsche Spur führen.“
Albert Einstein (16)